Kann auf dem Rothaarkamm zwischen Hilchenbach-Lützel und Netphen-Hainchen der zweite Nationalpark in Nordrhein-Westfalen entstehen? Welche Chancen würde ein Nationalpark der Region bieten und welche Herausforderungen müssten berücksichtigt werden? Diese Fragen werden derzeit intensiv diskutiert. Der Kreistag Siegen-Wittgenstein hat sich im März 2026 mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Möglichkeiten und Auswirkungen eines Nationalparks weiter auszuloten. Nach der Sommerpause wird sich der Kreistag erneut mit den Argumenten für und gegen einen Nationalpark beschäftigen und eine abschließende Entscheidung treffen. Im gesamten Prozess stehen Transparenz und Bürgerbeteiligung im Mittelpunkt.
Um Interessierten die Möglichkeit zu geben, die besondere Naturausstattung und ökologische Bedeutung des Rothaarkamms näher kennenzulernen, lädt die Biologische Station Siegen-Wittgenstein zu einem Vortrag am Donnerstag, 2. Juli 2026, um 17 Uhr in die Aula des Berufskollegs Technik sowie zu einer geführten Exkursion am Samstag, 4. Juli 2026, von 10 bis etwa 14 Uhr in die Nationalparkkulisse Rothaarkamm ein. Treffpunkt der Exkursion ist der Wanderparkplatz Forsthaus Hohenroth. Die Veranstaltungen werden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein gestaltet, darunter Sabine Portig, Michael Frede und Jasmin Mantilla-Contreras. Die Veranstaltungen sind kostenlos – eine Anmeldung ist nicht nötig.
Unter dem Titel „Die Nationalparkkulisse Rothaarkamm – Lebensräume, Artenvielfalt und naturräumliche Besonderheiten“ gibt der Vortrag Einblicke in die vielfältigen Lebensräume und schutzwürdigen Biotope des Gebietes. Neben naturnahen Buchen- und Bergmischwäldern wird die Bedeutung insbesondere alter Wälder mit hohem Totholzanteil für die biologische Vielfalt erläutert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der engen Verbindung von Wald und Wasser: Quellbereiche, Bäche und Feuchtlebensräume prägen die Landschaft und schaffen wichtige Lebensräume für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Darüber hinaus gibt der Vortrag einen Überblick über bestehende Schutzgebiete und stellt ausgewählte Arten vor, die die ökologische Bedeutung des Gebietes verdeutlichen.
Die geführte Exkursion ermöglicht es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, ausgewählte Lebensräume und Besonderheiten des Rothaarkamms direkt vor Ort kennenzulernen. Erstes Ziel ist das Obere Edertal, eine bedeutende Wasserscheide, an der Eder, Lahn und Sieg entspringen. Zahlreiche naturnahe Quellbäche prägen die Landschaft und bieten spezialisierten Tierarten Lebensraum. In den klaren Gewässern kommen unter anderem Bachneunauge und Groppe vor. Die renaturierte Ederquelle sowie angrenzende Moor- und Bruchwälder mit Wollgräsern, Farnen und dem seltenen Siebenstern verdeutlichen die enge Verbindung von Wasser- und Waldökosystemen.
Zweiter Exkursionspunkt sind die Wälder im Gebiet der Ginsberger Heide südöstlich von Hilchenbach. Die offene Hochfläche auf rund 600 Metern Höhe vereint Moore, Heiden, Magerrasen und strukturreiche Wälder mit hohem Totholzanteil. Auf den vermoorten Standorten wachsen Torfmoose und seltene Arten wie Schmalblättriges und Scheidiges Wollgras, während in trockeneren Bereichen Borstgrasrasen dominieren. Das Gebiet ist zudem Lebensraum charakteristischer Vogelarten wie Neuntöter, Rotmilan, Schwarzspecht und mit etwas Glück auch des seltenen Schwarzstorchs.
Zum Vortrag am 2. Juli 2026, 17:00 Uhr
Zur Wanderung am 4. Juli 2026, 10:00 Uhr
Quelle: Kreis Siegen-Wittgenstein
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www.siegen-wittgenstein.de.