Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous) ist eine hochgradig spezialisierte, europaweit gefährdete Tagfalterart der Familie Lycaenidae, deren Vorkommen eng an das Zusammenspiel von Wirtspflanze und Wirtsameise gebunden ist. Für das Jahr 2026 wurde die Art in Deutschland zum Tagfalter bzw. Schmetterling des Jahres ausgerufen, um ihre Verantwortungsträgerschaft in Mitteleuropa und die hohe Störanfälligkeit ihrer Habitate in den Fokus des Naturschutzes zu rücken.
Der kleine Tagfalter besiedelt extensiv genutzte, frische bis wechselfeuchte bis feuchte Wiesen und Weiden, sofern dort ausreichend Bestände des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) vorkommen. Die Flugzeit erstreckt sich in Mitteleuropa im Wesentlichen von Ende Juni bis Ende August. Der Lebenszyklus dieser seltenen Art ist durch eine Doppelspezialisierung gekennzeichnet: Die Weibchen legen ihre Eier ausschließlich an die Blütenköpfchen des Großen Wiesenknopfs ab, in denen die Jungraupen zunächst endophag an Blüten- und Fruchtgewebe minieren. Mit Erreichen des vierten Larvenstadiums lassen sich die Raupen zu Boden fallen, werden von Wirtsameisen adoptiert, in die Ameisennester verbracht und entwickeln sich dort als sozialparasitische Bruträuber von Ameisenlarven bis zur Verpuppung und Überwinterung.
Die Art reagiert sensibel auf Veränderungen der Grünlandnutzung. Durch die Flugzeit der Falter, ist die Art an eine extensive Bewirtschaftung und eine Bewirtschaftungspause im Juli und August angewiesen. Das Fehlen angepasster Bewirtschaftungsformen hat in vielen Regionen zum Rückgang der Art geführt. Im Kreis Siegen-Wittgenstein kommt der Bläuling im Vergleich noch verhältnismäßig häufig vor. In Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde setzt die Biologische Station Siegen-Wittgenstein seit Jahren gezielt Maßnahmen zum Schutz der Art um. Im Wesentlichen trägt auch das Projekt „Netzwerk Ameisenbläulinge im Kreis Siegen-Wittgenstein“ zum Schutz der Art bei.